Italien glutenfrei – ein Fluch?

Italien glutenfrei geht besser als man denkt

Italien – wer denkt da nicht direkt an Pizza, Pasta, Vino und Dolce Vita? Richtig, ich auch. Neben Land und Leuten macht gerade das Essen und Trinken einen richtig schönen Italienurlaub aus. So auch für uns. Und dann noch herrliche vier Wochen am Stück. Ein Traum, oder?

Naja, für meinen Teil war die Vorfreude dadurch getrübt, dass ich seit Anfang des Jahres kein Gluten mehr essen darf. Ein neumodischer Tick? Hab ich auch erst gedacht, denn die Umstellung ist nicht nur aufwendig, sondern die Produkte ganz schön teuer. Aber ich hatte keine Wahl, kleinere Sünden beim goldenen M und auch selbst gebackene Pizza führten vor allem zu eins: eine Woche Bauchweh und Reue! Nützt also nix, ich würde mich dran halten müssen, auch in Bella Italia. Der Gedanke daran führte allerdings anfangs zu einem ordentlichen Schmollen. So kann der Urlaub ja nur halb so schön werden, oder?

Alles eine Frage der Vorbereitung! Ein Kontrollfreak wie ich nunmal bin, habe ich meinen Konsum an glutenfreiem Brot und Nudeln eine Weile akribisch dokumentiert und dann auf 28 Reisetage hoch gerechnet. Verdammt, man isst doch mehr Brot als gedacht. Und Nudeln auch. Also wurde kurzerhand die Küche des Wohnwagens vollgestopft mit Vorräten. Für diese war ich im gut sortierten Supermarkt dann auch gleich mal 200€ los. Fängt ja gut an.

Nachher ist man immer schlauer, in zweierlei Hinsicht diesmal. Erstens hätte ich meine glutenfreien Vorräte bequem bei Amazon bestellen können, zum Vorteilspreis. Das Schleppen hätte dann auch direkt der nette DHL-Mensch übernommen. Wer meint, dass Brot und Nudeln nichts wiegen, der täuscht sich. Für einen Monat kommt eine ganze Kofferraumladung zusammen. Also, beim nächsten Mal wird hier geshoppt:
Schär Meisterbäcker Vital, 3er Pack (3x 350 g)

Der Toaster wurde auch noch eingepackt, schließlich ist das glutenfreie, verpackte Brot ungetoastet alles andere als eine Delikatesse. Getoastet kann man das aber machen, besser als nix. Wir waren also gerüstet.

Aber wäre das alles im Vorfeld wirklich nötig gewesen? Teils, teils…

Glutenfrei in Italien unterwegs zu sein, das ist im Nachhinein betrachtet gar kein Problem. Unsere italienischen Freunde essen ja selbst so viel von unserem High-Tec-Turbo-Weizen, dass dieser Konsum auch an ihnen nicht spurlos vorüber geht. Weltweit haben die Italiener die höchste Unverträglichkeitsrate. Hatte ich zwar vorher gelesen, dennoch wollte ich vor Ort keinen Stress und hatte sicherheitshalber eingekauft. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen. Jeder noch so kleine Kaff-Supermarkt hat eine größere Auswahl als unsere Riesensupermärkte wie Globus, Real, Kaufland und Co. Es gibt alles, was man braucht – ob Pasta, Backwaren, Frühstückssachen, Süßigkeiten, weiß der Geier was. In Sachen Einkaufen ist man als Mensch mit Glutenunverträglichkeit in Italien also komfortabler unterwegs als in der Großstadt Köln.

Da ich aber nicht den ganzen Urlaub Klappstullen essen wollte, haben wir immer wieder nach Restaurants Ausschau gehalten, die glutenfreie Sachen anbieten. Und das tun viele. Obwohl ich auf unserer Route nur auf eine glutenfreie Pizzeria gestoßen bin, und zwar das Campingplatzrestaurant bei Camping Darna in Porlezza. Leider haben wir das nicht getestet, weil es auf den ersten Blick nunmal nicht das hübscheste Restaurant am Ort war. Außerdem war meine Schwiegermutter mit Partner auch am Ort, sie hatten sich ewig verfahren und wollten im Hotel mit uns gemeinsam essen. Im Nachhinein sehr schade, denn dort gab es nur kalte Küche. Aber was soll’s. Shit happens…

In Siena selbst waren wir jeden Abend was essen mit der Schwiegermama und ich muss sagen, ich war überhaupt nicht wehmütig. Klar, wenn Bea sich am Campingplatz eine ordentliche Steinofenpizza zwischendurch genehmigt hat, da war ich schon ein wenig neidisch. Aber in den Restaurants findet man neben einer gescheiten Auswahl an Alternativen auch Personal mit Sachverstand, das total bemüht ist. So am ersten Abend zum Beispiel im sehr schönen, kleinen Restaurant Salefino.

Nicht nur, dass es zur Begrüßung einen Prosecco aufs Haus gab und man sich auf der Terrasse direkt willkommen und wohl gefühlt hat, der Kellner hat direkt in der Küche nachgefragt, was sowieso ohne Gluten, bzw. ohne Gluten machbar ist. Er erklärte uns allen ausführlich die Gerichte und das Essen war sehr gut und hübsch angerichtet. Wir waren froh, dass wir nicht in eins der überlaufenen und überteuerten Restaurant am Platz gegangen sind. Ich behaupte mal, das bessere Essen gibt es auch in Siena etwas abseits des großen Touristentrubels. Zum Abschluss gab es für alle Café Espresso und da ich ja die Cantucci nicht essen konnte, hat man mir dazu einen kleinen Teller mit einer Nocke glutenfreier Mousse au Chocolat gereicht. Da waren wir endgültig überzeugt und ich war ganz happy.

Mir ist beim Essen wichtig, dass ich nicht das Gefühl habe, lediglich eine einzige, lieblose Alternative glutenfrei zu bekommen. Das war in Italien aber nie der Fall. Die Italiener können ja auch viel mehr als Pizza und Pasta. Ich hatte also viel Fisch, Risotto und auch mal Fleischgerichte und bin so vielleicht sogar abwechslungsreicher unterwegs gewesen als ohne Glutenunverträglichkeit. Nicht nur am Luganer See und in der Toskana konnte ich mich also entspannt aufs Essen und aufs Einkaufen freuen, auch in Ligurien, unserer letzten Station, gabe es unzählige glutenfreie Alternativen. Hier ist man ja auch direkt am Meer und das haben wir ausgenutzt. Die Muschelplatte im Belvedere in Monterosso war auf jeden Fall göttlich.

Bei unserem Abstecher nach Frankreich, Port Grimauld, zeigten sich dann doch die Vorteile meiner Einkaufsplanung im Vorfeld. Glutenfrei scheint dort ein Fremdwort zu sein. Zumindest bereitet dies beim Einkaufen echte Schwierigkeiten und in den Restaurants muss man sich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Ob es dann wirklich immer glutenfrei ist, das weiß man dann aber immer noch nicht. In Spuren macht mir das Zeug nichts aus, aber wenn man selbst die vermeiden sollte, dann ist Vorsicht geboten. Hier hat sich der Vorrat von Schär wirklich ausgezahlt.

Und was heißt das jetzt für die nächste Reise?

Nun, das Internet liefert vorab viele Informationen zu den einzelnen Reiseländern. Und in Italien hat man überhaupt keine Probleme, auch wenn man auf glutenfreie Pizza immer noch selten trifft. Bei Pasta ist das schon anders, das gibt es eher mal eine Auswahl in Restaurants. Beim Einkaufen entpuppen sich kleine und große Supermarkte als Paradies, von dieser Auswahl können wir in Deutschland nur träumen.

Für den Alltag war ich mit meinem Vorrat von Schär gut bedient, denn so hat man immer was da, auch wenn man mal schnell was kochen will. Und da der Marktführer Schär ein italienisches Unternehmen ist, kann man mit den Pastaalernativen gut leben. Ich selbst bevorzuge die teurere Pasta in den blauen Kartons, weil diese „echter“ Pasta näher kommt als diese orangefarbene aus reinem Maismehl.
Schär Spaghetti, glutenfrei, 6er Pack (6 x 500 g Packung)

Man sollte auf jeden Fall einen Toaster mitnehmen, damit das Brot genießbar ist. Ansonsten steht einem mit Glutenunverträglichkeit in Sachen Kulinarik in Italien nichts im Wege. Erfreulich ist, dass man sich überall mit „senza glutine“ auskennt und einem so hoffentlich so manche böse Überraschung mangels Sachverstand erspart bleibt. Mit der kostenlosen App „Glutenfree Roads“ kann man sich auch mobil vorab über Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten informieren. Aber ich würde das in Italien entspannt angehen. Glutenfreies Reisen in Italien setzt weder eine akribische Planung vorab voraus, noch muss man groß auf irgendwas verzichten.

Was einem mit Glutenunverträglichkeit allerdings beim Reisen wirklich Probleme bereitet, sind Raststätten. Hier kann man echt nur zum Apfel greifen, ansonsten sieht es mau aus. Hier kamen dann die Klappstullen zum Einsatz. Und Obst natürlich auch. Manchmal ist das auch besser als das Angebot an Raststätten. Da es dort oft nur Backwaren gibt, sollte man sich für die Reisetage also was überlegen und ausreichend mitnehmen. In Österreich gibt es jetzt wohl auch glutenfreie Burger beim goldenen M. Aber durch dieses Land waren wir einfach zu schnell durch oder zu Uhrzeiten unterwegs, an denen man nichts essen konnte oder wollte. Gerne mal einen Burger, aber dann doch nicht morgens um halb fünf. Sollte McDonald’s in anderen Ländern mit glutenfreien Burgern nachziehen, dann würde ich vielleicht doch die Schär-Klappstulle das ein oder andere Mal gegen einen BigMäc tauschen…

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Italien glutenfrei – ein Fluch?

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